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Schwamendinger-Dreieck, Baufeld B

Drei- bis viergeschossige Wohnzeilen, mit Leichtigkeit in fliessende Aussenräume gesetzt, weiche Topografien, Grünzüge und Baumbestände – vor siebzig Jahren waren dies die herausragenden Merkmale der Steinerschen Gartenstadt. Den räumlichen Qualitäten von damals, steht heute das gesellschaftliche Plazet nach baulicher Verdichtung gegenüber. Wie jedoch kann die “durchgrünte Stadt der Siedlungen” auf ihr vierfaches Mass verdichtet werden, was geschieht mit den durchlässigen Aussenräumen, und welche morphologischen und typologischen Transformationen gehen mit der Neuprogrammierung dieser Gebiete einher?

Der Masterplan «Schwamendinger Dreieck» bildet das Gerüst zur Erneuerung eines zentralen Areals der Gartenstadt. Dem Dreieck wird eine herausragende städtebauliche Scharnierfunktion zukommen, an seiner Spitze wird ein Stück Stadt mit neuer Identität und hoher Wohnqualität entstehen. Der Ort wird neu kalibriert, verdichtet und mittels einer Fuss- und Veloachse in Verlängerung der Altwiesenstrasse mit dem Schwamendingerplatz verhängt. Die Siedlung wird Stadt.

Unser Entwurf sieht als Auftakt zwei achtgeschossige Bauten vor. Zusammen bilden sie eine markante Doppelfigur. Jede steht auf einem zweigeschossigen Portikus. Während der Gebäudekopf Süd die Zugänge zum unterirdischen Grossverteiler aufnimmt, beherbergt sein nördliches Pendant ein Café. Versetzt zueinander bilden die beiden zwillingshaften Bauten eine Torsituation, sie definieren den neuen “Stadtplatz” an der Kreuzung und den östlich anschliessenden «Quartierplatz», der entlang der Mittelachse als Fortsetzung der Altwiesenstrasse in die Tiefe des Dreiecks führt. Gegen Osten verringern sich die Gebäudehöhen von acht auf sechs Geschosse, zum nachbarschaftlichen Quartier auf deren fünf. Seitlich entstehen zwei grüne Wohnhöfe, gefasste Gartenzimmer mit hohen Bäumen, Sträuchern und Blumenwiesen.

Eine prägnante städtebauliche Setzung gepaart mit einer ausgewogenen Gliederung der Baukörper bilden die Spur, entlang welcher sich der Entwurf entwickelt. Zum Vokabular gehören zeilenförmige Baukörper, gerade und geknickt, die über ihre präzise Setzung die Grossfigur ergeben. Der Duktus der Zeilen aus dem Baufeld A wird aufgenommen und nach Westen fortgesetzt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Massstäblichkeit der Teilbereiche. Die äusseren Ecken des Dreiecks werden zurückgeschnitten, Durchbrüche zwischen den Zeilen sorgfältig gestaltet, die Gebäudeköpfe moduliert. Durch diese volumetrischen Massnahmen entstehen differenzierte Platzsituationen und räumlich-funktionale wie visuelle Anknüpfpunkte an das weitere Quartier mit Aufenthaltsqualitäten. Weit auskragende Dächer zeichnen einen Himmelsausschnitt, der dem Bewohner Halt und Intimität verschafft. Die oberen Geschosse sind mit eingefärbten und gewellten Glasfaserbetonplatten eingekleidet, die Sockelzonen mit sandgestrahlten Kunststeinelementen belegt. Hinzu kommt eine dezent-frische Buntheit der sekundären Elemente wie Fenster, Brüstungen oder Storen – insgesamt eine vertraute Architektur, verankert im Hier und Jetzt.

PROGRAMM: Genossenschaftlicher Wohnungsbau mit 200 Wohnungen, zwei Wohnpflegeheime, Grossverteiler, Stadt- und Quartierplatz, Parkierungsanlage
BAUHERRSCHAFT: Baugenossenschaft Glattal Zürich BGZ
VERFAHREN: Wettbewerb im selektiven Verfahren, 2019, 1. Preis

LANDSCHAFTSARCHITEKTUR: Hager Partner AG, Zürich
BAUPHYSIK, BAUÖKOLOGIE: EK Energiekonzepte AG, Zürich
VISUALISIERUNG: maaars architektur visualisierungen, Zürich

TEAM:
Marco Graber, Thomas Pulver
Wettbewerb: Mischa Trnka (Teamleiter), Anna Abello, Kalliopi Kontou, Lukas Spirig
Praktikanten: Leonie Wrede

Bilder

Pläne