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Ausstellung Rencontres

„Kunst am Bau” kann heute weder die alte, auseinandergebrochene Einheit „Baukunst” ersetzen noch vermag sie die Idee des „Gesamtkunstwerkes”, wie sie Richard Wagner formulierte, einzulösen. Heute operieren Architektur und Kunst nach unterschiedlichen, teilweise gegensätzlichen Logiken. Gerade in ihrem Zusammentreffen, in der Begegnung zwischen „Kunst und Bau” können sich jedoch erstaunliche Resultate einstellen.
Unsere Ausstellung stellt anhand zweier Projekte das Aufeinandertreffen beider Disziplinen zur Diskussion. Sie manifestieren unterschiedliche Positionen und zeigen auf, wie Architektur und Kunst in ihrem Zusammenwirken Mehrwerte generieren können, ohne dabei ihre Autonomie aufzugeben. Bei der Energiezentrale Forsthaus Bern haben wir mittels einer linearen Anordnung der technischen Komponenten ein volumetrisches Prinzip etabliert, das den Verbrennungsprozess nach aussen zum Ausdruck bringt. Eine monolithische Materialisierung in Beton steigert die monumentale Erscheinung des Kraftwerks. Die differenzierte Anwendung von Ort- und vorfabriziertem Beton verleiht der Anlage die Erscheinung eines grossen Frachtschiffes, das im Wald vor den Toren Berns vor Anker liegt. Hier schaffen Sabine Lang und Daniel Baumann mit „Beautiful Wall #25” eine räumliche Malerei, die über eine inhaltlich aus dem Verbrennungsprozess abgeleitete Logik gleichzeitig eine Zonierung und Verortung innerhalb des 300 Meter langen Korridors erzeugt. In der Genossenschaftssiedlung Grünmatt folgen unterschiedlich segmentierte und unterschiedlich leicht gekrümmte Häuserzeilen der Hangfigur. Aufgrund der Topographie liegen die Bauten mit insgesamt 155 Wohneinheiten in der Höhenlage um je ein Geschoss versetzt. Mehrere Treppen und Rampen zwischen den Stirnseiten der Gebäude verbinden die Binnenräume und die Nachbarschaft. Mit „Zeitimporte” schafft Yves Netzhammer ein gedankliches und visuelles Orientierungssystem, bei dem sich Betonabgüsse von zurückgebliebenen Gegenständen der Vorgängersiedlung poetisch und vielschichtig zu imaginativen Erzählungen öffnen.

Für die Räumlichkeiten und das Format der Architektur Galerie Berlin wurde eine Ausstellungskonzeption entwickelt, die die spezifischen Qualitäten des Raumes auslotet. Direkt auf die Wände appliziert stehen sich an den Stirnseiten Ausschnitte von „Beautiful Wall #25” und „Zeitimporte” als Bildtapete gegenüber. Für die Längswand wurde eine Hängung gewählt, die eine enge, wandhohe Reihung von Plänen, Fotografien und Artefakten zeigt. Diese opulente Bilderwand ist den sintflutartigen Bildseiten ähnlich, wie wir sie unter „Google Bilder” oder „Pinterest” im Netz antreffen. Mehr noch verweist sie jedoch auf die „Salon-” oder „Petersburger Hängungen” – inventarartige Sammlungspräsentationen, die besonders im 18. und 19. Jahrhundert üblich waren.
Die Hauptwand ist axial geteilt und aus zwei Hälften aufgebaut. Analog den Prinzipien einer „Salonhängung” gliedern und binden horizontale Reihen sowie thematische Bildgruppen das komplexe Arrangement zusammen und bauen über die Elemente hinweg dichte Beziehungsgeflechte auf. Die Basis bilden Pläne und Fotografien, die durch Artefaktee aus dem künstlerischen Entwurfsprozess ergänzt werden.

Ausstellung Architektur Galerie Berlin

BAUHERR: Graber Pulver
REALISIERUNG: 08.Juli 2016– 20.August 2016, Eröffnung: 07.Juli 2016, Gespräch: 18.August 2016
ERÖFFNUNG: Begrüssung: Ulrich Müller (Galerist), Einführung: Jürgen Tietz
GESPRÄCH: Karin Sander, Andreas Fiedler, Marco Graber, Tom Pulver

FOTOS (Ausgestellt): Georg Aerni, Philip Heckhausen, Hannes Henz
KÜNSTLER: Sabine Lang und Daniel Baumann, Yves Netzhammer

FOTOGRAFIE: Jan Bitter

TEAM:
Marco Graber, Thomas Pulver und Thais Ribeiro (PL)
CO-KURATOR: Andreas Fiedler

Bilder